4 Fragen für Führungskräfte, um die richtige ­Weiterbildung für sich zu finden Schwerpunkt Fortbildung für Führungskräfte

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch

Von Kindesbeinen an hat mich der Spruch meines Großvaters begleitet: „Was du im Kopf hast, kann dir keiner mehr wegnehmen.“ Und so habe ich in den zurückliegenden Jahren an vielen verschiedenen Aus- und Weiterbildungen teilgenommen. Sowohl um Neues zu lernen, zukünftig interessante Aufgaben übernehmen zu können als auch beruflich voranzukommen.

Die Entscheidung, an welcher Aus- bzw. Weiterbildung ich wann teilnehme, ist mir nicht immer leichtgefallen. Genau wie heute gab es jede Menge Angebote in und außerhalb der Unternehmen. So hatte ich die Qual der Wahl, aber auch die Chance, mir diejenigen auszusuchen, die mich persönlich und/oder beruflich weiterbrachten.

Bei meiner jeweiligen Entscheidung hat mir die Beantwortung folgender vier Fragen geholfen:

1. Was nutze ich heute schon aus meinen bisherigen Aus- und Weiterbildungen?

Schauen Sie einmal bewusst zurück und listen Sie für sich auf, an welchen Qualifizierungsmaßnahmen Sie in den zurückliegenden Jahren sowohl im Unternehmen als auch extern schon alles teilgenommen haben. Lassen Sie dabei auch noch einmal die Inhalte Revue passieren und überlegen Sie sich in Bezug auf Ihre aktuelle Tätigkeit, was Sie davon heute nutzen.

Sicherlich eine spannende und zugleich ernüchternde Rückschau. Einerseits fördert es die Erinnerung an viele verschiedene und teilweise fast vergessene Aus- und Weiterbildungen. Andererseits wird manchmal deutlich, dass man nur einen Teil des vermittelten Wissens heute aktiv und konsequent anwendet.

So unterstützt Sie diese Rückschau, sich an Methoden und Techniken zu erinnern, die Sie beispielsweise bei der Erfüllung Ihrer aktuellen Aufgaben nutzen können. Gleichzeitig gibt sie einen sehr guten Überblick über Ihre bereits sehr umfangreichen Kompetenzen. Sie entscheiden, welche Sie davon wieder aktivieren beziehungsweise weiter ausbauen wollen.

Beim Blick auf Ihre aktuelle Tätigkeit bekommen Sie sicherlich auch ein gutes Gespür ­dafür, wo es aus Ihrem Empfinden heraus noch persönlichen Weiterentwicklungsbedarf gibt. Das ist eine hervorragende Ausgangssituation, um Ihre Qualifizierungs-Wunschliste zu konkretisieren.

2. Was will ich zukünftig erreichen?

Lebenslanges Lernen ist in aller Munde. Meiner Erfahrung nach macht das am meisten Spaß, wenn Sie ein bestimmtes Ziel vor Augen haben, das Sie mit der passenden Aus- und Weiterbildung noch schneller erreichen:

  • Möglicherweise haben Sie ja erst kürzlich eine neue Führungsposition übernommen und haben deshalb Interesse an einem Coaching, um die ersten 100 Tage mit Bravour zu meistern.
  • Vielleicht möchten Sie als Führungskraft schwierige Gespräche ziel- und ergebnisorientierter führen können und entscheiden sich für ein Gesprächskompetenz-Seminar.
  • Oder Sie wollen langfristig ganz nach oben aufsteigen, wofür ein Studienabschluss vorteilhaft ist.
  • Beziehungsweise Sie entscheiden sich für eine Trainer- oder Coach-Ausbildung, um künftig in einem ganz anderen Bereich arbeiten zu können.
  • Womöglich wollen Sie sich beruflich ­verändern und wollen im Rahmen einer Einzelberatung die nächsten Schritte erarbeiten.

Um genau zu wissen, wo die berufliche und persönliche Entwicklung hingehen soll, lohnt es sich, einige Jahre in die Zukunft zu denken.

  • Wo will ich beruflich und persönlich in 5, 10, 15, ... Jahren stehen?
  • Was will ich auf gar keinen Fall mehr machen?

Je konkreter Ihre Vorstellungen sind, umso präziser können Sie Ihre Ziele formulieren.

3. Was brauche ich noch dafür?

Mit Ihrem konkreten Ziel vor Augen lohnt sich jetzt ein Blick auf die zukünftigen Aufgaben und Anforderungen. Oftmals bilden die Angaben in einer Funktions- bzw. Stellenbeschreibung für die Wunschposition eine gute Basis dafür.

Jetzt lohnt es sich für Sie, eine realistische Selbsteinschätzung durchzuführen und die Frage zu beantworten: Welches Wissen/Welche Kompetenzen muss ich dafür auffrischen und erweitern?

Hier lauern übrigens blinde Flecken! Bei Weiterbildungen tendieren viele dazu, das, was sie bereits gut können und was sie persönlich interessiert, voranzustellen. Und klar: Stärken zu stärken ist eine gute Sache. Doch besonders die persönlichen Defizite und Unsicherheiten unterstützen Sie dabei, Ihre Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben und sich wesentliche Fähigkeiten anzueignen.

Auch das Feedback von Chefs, Kollegen und Mitarbeitern oder die Ergebnisse eines Persönlichkeits-Tests geben Ihnen Ansatzpunkte für Ihren persönlichen Weiterentwicklungsbedarf.

Je konkreter Sie auf dieser Basis die Themen und Inhalte für Ihre nächste Aus- bzw. Weiterbildung formulieren, umso leichter wird Ihnen die Suche fallen.

4. Was kann ich tun, um es zu erreichen?

Sie haben Ihre Wunsch-Inhalte konkret formuliert. Jetzt ist es an der Zeit, sich über die Form Ihrer Qualifizierungsmaßnahme Gedanken zu machen. Definieren Sie Ihre Auswahl­kriterien so konkret wie möglich, um in Tausenden von Weiterbildungsangeboten das für Sie Passende zu finden.

Übrigens: Weniger ist immer mehr. Wahrscheinlich werden Sie die Fortbildung neben Ihrem beruflichen Alltag stemmen. Zudem kann es sein, dass Sie nicht nur eine Weiterbildung ins Auge fassen, sondern mehrere „Baustellen“ und Ziele notiert haben. Nun heißt es priorisieren!

Legen Sie für sich fest, ob Sie Ihre Kompetenzen erweitern wollen ...

...    im Selbststudium oder in einer Aus- bzw. Weiterbildung?

...    als Training on the Job oder als Training near the Job?

...    in Webinar- oder Präsenzform?

...    alleine oder gemeinsam mit anderen?

...    während der Arbeitszeit oder in der Freizeit?

...    im Unternehmen oder bei einem externen Weiterbildungsanbieter?

...    in Wohn- bzw. Arbeitsnähe oder mit weiterer Anreise und Übernachtung?

Darüber hinaus sind drei weitere Entscheidungen im Vorfeld erforderlich:

  • Wieviel Zeit wollen Sie insgesamt in Ihre Qualifizierung investieren?
    Hier bitte nicht nur die reine Durchführungszeit, sondern auch Vor- und Nachbereitungszeiten berücksichtigen.
  • Wie muss der Abschluss gestaltet sein?
    Reicht eine einfache Teilnahmebestätigung oder brauchen Sie einen anerkannten Abschluss für das Erreichen Ihrer Ziele? Klären Sie gegebenenfalls, ob Sie die Voraussetzungen z. B. für ein Studium mitbringen.
  • Wie wird die Qualifizierung finanziert?
    Nehmen Sie selber das Geld in die Hand, (teil)finanziert es Ihr Arbeitgeber oder finden Sie andere Formen, wie z. B. Bildungsscheck.

Jetzt ist es an Ihnen, mit Ihren Kriterien unter der Vielzahl an unternehmensinternen und externen Angeboten zu Webinaren, Einzel­beratungen, Coachings, Mentorings, ­(Inhouse-)Seminaren oder Trainings das für Sie Passende und Nutzbringendste zu finden.

Erleichtern Sie sich Ihre Suche durch die Nutzung von Empfehlungen, die Unterstützung von Seiten des HR-Bereiches in Ihrem Unternehmen oder die Beratung durch Weiterbildungsanbieter.

Finden Sie so heraus, welche Aus- bzw. Weiterbildung Sie am besten bei der Erreichung Ihrer Ziele unterstützt. Wie gesagt: „Was du im Kopf hast, kann dir keiner mehr wegnehmen, und es hilft dir, deine Ziele zu erreichen!“

Sie liebäugeln schon mit der nächsten Weiterbildung und möchte noch mehr Klarheit darüber, was Ihnen wirklich weiterhilft? Hier können Sie unsere Checklisten zur Weiterbildung ordern.

Kontakt: office(at)3e-netzwerk.de

Prof. Dr. Angela Witt-Bartsch ist Expertin für Unternehmensorganisation und Personalentwicklung. Sie ist Gründerin des 3E-Netzwerks, der 3E-Trainingsakademie und Dozentin an der FOM-Hochschule.


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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