Gehaltssituation von Fach- und Führungskräften – Es kommt etwas in Bewegung Schwerpunkt Vergütung

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender
Sabine Balzer

von  Sabine Balzer, LL.M., Geschäftsführerin DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK, und Dr. Ulrich Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

Es ist schon seit geraumer Zeit so, dass Branchen und Unternehmen im deutschen Wirtschaftsraum ein sehr uneinheitliches Bild abgeben. War es früher häufig so, dass entweder die Wirtschaft insgesamt boomte oder darniederlag, finden wir heute Branchen, die in einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung stehen, und zugleich Branchen, die einem so extremen Kosten- und Konkurrenzdruck unterliegen, dass Arbeitsplätze abgebaut werden müssen und Gehälter zurückgehen. Die DFK-Gehaltsumfrage 2016 bestätigt diesen Eindruck.

Um die Unübersichtlichkeit zu vervollständigen, haben wir dann natürlich in einzelnen Branchen Unternehmen, die sich ganz unterschiedlich entwickeln. Das zeigt sich u. a. bei den Gehaltsanpassungen, wo es branchenintern durchaus Unterschiede von mehreren Prozentpunkten geben kann. Unternehmen mit „Null-Runden“ bei der Vergütung der Führungskräfte stehen neben Firmen mit Anpassungssätzen von über 3 %. Die Bandbreiten sind hier noch einmal größer geworden.

Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen dazu übergehen, ihre Vergütungssysteme grundsätzlich zu überprüfen und neu aufzustellen. Der Trend, alle Vergütungsbestandteile in einer Total Compensation-Betrachtung zusammenzufassen, setzt sich spürbar fort. Daraus folgen nicht nur Veränderungen im Verhältnis Festgehalt zu variabler Vergütung, sondern auch bei der Festlegung der Bemessungsgrößen für die Boni sowie für sämtliche Benefits wie Dienstwagen oder auch betriebliche Altersversorgung. So gehen z. B. immer mehr Konzerne und Unternehmen dazu über, sich von individuellen Boni zu verabschieden und den variablen Anteil an der Gesamtjahresvergütung nur noch am Unternehmens- oder Konzernergebnis festzumachen. Eine Entwicklung, die weiter beobachtet und untersucht werden muss.

Insgesamt ist es daher wichtiger denn je, bei der Gesamtbetrachtung der Vertragsgestaltung stets diesen Total Compensation-Ansatz im Auge zu behalten. Mit einer individuellen Vergütungsberatung kann der Verband hierbei helfen.

Mit rund 3.600 ausgewerteten Fragebögen trifft auch die diesjährige Umfrage unseres Verbandes wieder repräsentative Aussagen über die Gehaltssituation von Fach- und Führungskräften.

Alle Ergebnisse wurden zudem vor dem Hintergrund der langjährigen Beratungspraxis des Verbandes gesondert verifiziert. Durch die kontinuierliche Fortsetzung dieser Untersuchung über viele Jahre hinweg kann das ermittelte Zahlenmaterial stetig fortgeschrieben werden, sodass entsprechende Entwicklungen ablesbar sind.

Durch die Verwendung von Kennziffern konnten Einzelauswertungen für die folgenden ­Unternehmensbereiche durchgeführt werden:

  • Stahl
  • Metall, Elektro
  • Automobilindustrie
  • Bauwirtschaft
  • Energie- und Gasversorgung
  • Stadtwerke und Eigenbetriebe
  • Gesundheitswesen
  • Bergbau
  • Energie- und Umwelttechnik sowie
  • Zulieferindustrie
  • Mineralölwirtschaft
  • Informationstechnologie
  • Telekommunikation, Post
  • Holz, Papier
  • Handel
  • Dienstleistung
  • Medien, Druckerei, Verlag
  • Versicherungen
  • Banken, Kreditinstitute
  • Verkehr
  • Textil, Bekleidung
  • Nahrung, Genussmittel

Zusätzlich wurde mit dieser Erhebung auch die Kopplung von bestimmten Funktionen und Aufgabenbereichen an konkrete Gehaltsgrößen abgefragt, um weitere spezifische Einordnungen zu ermöglichen.

Mit den vorliegenden Ergebnissen stellt der Verband verlässliche und objektive Informationen für denjenigen zur Verfügung, der sich um Vergütungsfragen kümmern will, gleich ob aus Sicht des Unternehmens oder der Mitarbeiter.


Einige Ergebnisse

Nun aber ein Blick auf einige Ergebnisse der letzten Gehaltsstudie des DFK. Die Tabelle mit den höchsten Jahresgehältern führen im statistischen Median die Energieversorger mit 166.000 E in der ersten Hierarchieebene unterhalb der Unternehmensleitung gefolgt von den Führungskräften in der Versicherungsbranche mit 162.000 E. Die Gehaltsspreizung ist aber, wie bereits erwähnt, teilweise erheblich. So liegen im oberen Quartil die Gesamtjahresvergütungen in der Energieversorgung und in der Baubranche bei 209.000 E. Das heißt, dass 25 % der ermittelten Gehälter noch oberhalb dieses Betrages liegen. So hat die Studie z. B. ergeben, dass es in der ersten Ebene in großen Energieversorgungsunternehmen durchaus auch Gehälter  von deutlich über 300.000 E gibt, wobei auch klar ist, dass solche hochbezahlten Spitzenjobs rar gesät sind.

Die rote Laterne in dieser Tabelle haben gemeinsam die kommunalen Unternehmen und die Gesundheitsbranche  mit 100.000 E im Median. Insgesamt stark zurückgefallen sind die Bankengehälter. Im Median sind es hier noch 142.000 E, was nur noch für einen Platz im Mittelfeld dieses Rankings reicht. Zurückzuführen ist das u. a. auf stark reduzierte Bonuszahlungen.

Über alle Branchen hinweg beträgt das durchschnittliche Jahresfestgehalt einer Führungskraft in der ersten Führungsebene 120.000 E, in der zweiten Ebene 116.000 E und in der dritten Ebene 108.000 Euro.

Weit verbreitet ist nach wie vor, dass Fach- und Führungskräfte nicht nur ein Festgehalt, sondern auch eine variable Zahlung erhalten. 87 % aller Fach- und Führungskräfte erhalten solche Variablen in Form von Tantiemen oder Boni. Rund 84 % der befragten Fach- und Führungskräfte lehnen aber zugleich eine stärker leistungsbezogene Vergütung ab.

Nicht mehr so hoch im Kurs steht der auch zur privaten Nutzung überlassene Dienstwagen. Gehörte dieser vor einigen Jahren zur Standardausstattung von Führungskräften, haben heute nur noch 65 % in der ersten Ebene, 63 % in der zweiten und 47 % in der dritten Ebene einen solchen Dienstwagen.

Dagegen hat die betriebliche Altersversorgung nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Nur 15 % der Fach- und Führungskräfte haben keinerlei Betriebsrentenzusage. Allerdings sind es auch nur noch 44 %, bei denen die betriebliche Altersversorgung ausschließlich vom Arbeitgeber finanziert wird, während dies früher der Regelfall war. In 25 % der Fälle beruhen Altersversorgungszusagen auf einer Mischfinanzierung, zu der Arbeitgeber und Mitarbeiter gemeinsam beitragen. 32 % der Fach- und Führungskräfte finanzieren ihre Altersversorgung selbst, z. B. durch Gehaltsumwandlungen und Direktversicherungen. Alle drei Modelle kommen in der Praxis durchaus auch in Kombinationen vor.

Kostenfreie Vergütungsberatung für Mitglieder

Über die Ergebnisse aus den Gehaltsstudien des Verbandes hinaus gibt es einen besonderen Beratungsservice exklusiv für Verbandsmitglieder. Mitglieder erhalten auf Wunsch eine detaillierte Einschätzung zur Vergütung in der jeweiligen spezifischen beruflichen Situation oder auch bei einer beruflichen Neuorientierung. Während die Erstellung einer detaillierten Vergütungsanalyse auf dem freien Beratermarkt schnell mehrere Hundert Euro kostet, erhalten unsere Mitglieder diese exklusive Leistung kostenlos. Für eine detaillierte Untersuchung werden die folgenden Angaben benötigt:

  • Branche
  • Tätigkeitsbereich
  • Führungsebene
  • Unternehmensgröße nach Beschäftigtenzahl

Die kompletten Ergebnisse finden Sie auf der Homepage des Verbandes oder können in der Geschäftsstelle angefordert werden.


Bildquellen: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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