Bonuszahlungen sind Schmerzensgeld Schwerpunkt Vergütung

Markus Jotzo

von Markus Jotzo

Ein materieller Ausgleich für immaterielle Schäden: Das Prinzip Schmerzensgeld kennen Sie aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch.

Eine besondere Art von Schmerzensgeld findet in Unternehmensberatungen und Banken in Form von Bonuszahlungen statt. Solch ein Bonus vergütet Arbeitsleistungen, die über die körperlichen Grenzen hinaus­gehen.

Für mich ist das Schmerzensgeld!

Eine 60- bis 80-Stunden-Woche, Arbeiten am Abend und am Wochenende – das geht an die Substanz. Diese Extraleistung erkauft sich der Arbeitgeber mit den Boni. Doppelter Verdienst für doppelte Arbeitszeit: ein guter Deal für beide Seiten, sollte man meinen.

Motivation ohne Bonus

Doch viele Branchen, die sich über Boni definieren, haben eine hohe Mitarbeiterfluktuation. Meiner Meinung nach hat das aber nur bedingt mit der hohen Arbeitsbelastung zu tun. Denn Mitarbeiter kündigen nicht bei Unternehmen, sondern bei ihren Führungskräften! Da nutzt der Bonus wenig.

Und auch für andere Branchen, in denen der Bonus das Gehalt nicht verdoppelt: Ich finde es nicht schlau, Arbeitnehmer mit einem ­Bonus zu versauen. Klar freuen sich Ihre Mitarbeiter über ein bis zwei Extragehälter. Aber motiviert sie das, ihren Job noch mal 20  % besser zu machen? Ich sage: NEIN! Als ich noch bei Unilever gearbeitet habe, hatte ich auch einen Bonus. Meine Motivation schöpfte ich aber nicht aus der Sonderzahlung, sondern aus meiner Arbeit. Die Sache an sich hat mir Spaß gemacht.

Führung ist wie Abwaschen

Ein Bonus ersetzt also keine regelmäßige, solide Führungsarbeit. Bevor Sie Ihre Arbeitnehmer deshalb mit einem Bonus motivieren möchten, fragen Sie sich lieber: Sitzen die richtigen Leute auf den richtigen Plätzen? Verkauft Ihr Verkäufer mit Herzblut? Kann sich Ihr Marketeer zu 100 % für das Produkt und die Marketingarbeit begeistern?

Gute Führungskräfte schaffen eine Umgebung, in der ihre Mitarbeiter kreativ sind und Verantwortung übernehmen. Bieten Sie z. B. Mentoring oder Programme für Young Potentials an? Glauben Sie mir: Das motiviert mehr als jeder Bonus.

Gute Führung ist wie Abwaschen. Sie brauchen es nicht jeden Tag zu tun, aber wenn Sie eine Woche lang nicht abwaschen, fängt es an zu müffeln und Ihnen geht das Geschirr aus. Genauso ist es mit dem Führen von Mitarbeitern. Sie optimal zu fördern und zu unterstützen, ist eine regelmäßige Aufgabe, die ein einmaliger Jahresbonus nicht ersetzt.

Lassen Sie sich deshalb nicht dazu verleiten, die Motivation Ihrer Mitarbeiter dem Bonus zu überlassen. Denn ohne Führung bleibt die Reflexion der Projekte aus. Diese erreichen Sie nur durch wertvolles – und, ganz nebenbei, unbezahlbares – Feedback.

Tu, was du nicht kannst

Sich immer wieder Zeit für seine Mitarbeiter aus den Rippen zu schneiden, ist eine der größten Challenges für Chefs. Ich empfehle Ihnen: Tun Sie exakt das, was Sie nicht können. Nehmen Sie sich diese wertvolle Zeit für Ihre Mitarbeiter. Das bedeutet regelmäßige Vier-Augen-Gespräche nicht nur darüber, was Ihre Mitarbeiter arbeiten, sondern auch wie. Speisen Sie sie nicht ab mit einem reinen: „Das ist gut, das ist noch schlecht.“ Geben Sie vielmehr Tipps, wie sie Projekte richtig und gut erledigen können. Wichtig ist auch die Frage: Warum hat dieses Projekt so gut geklappt? Und warum ein anderes nicht? Das entwickelt Ihre Mitarbeiter weiter und motiviert, weil sie spüren, dass sie besser werden.

Essenziell ist, dass Sie diese Unterstützung gern geben. Wenn Sie sich auf diese Weise öffnen, werden Sie als Führungskraft menschlich. Dann hilft der Mensch-Chef dem Mensch-Mitarbeiter.

Eine menschliche Führungskraft zu sein, bringt viele Vorteile. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern ein gutes und wertvolles Feedback geben, dann empowern Sie sie nicht nur für ihren Job, sondern auch fürs Leben. Ihre Mitarbeiter werden mit dem Herzen dabei sein, wenn sie merken, dass die Führungskraft auch mit dem Herzen für sie da ist.

Am Mitarbeiter feilen

Wenn Sie sich zu einer Mensch-Führungskraft entwickeln, können Sie auch viel leichter Kleinigkeiten optimieren und anmerken. Sie nehmen quasi eine Feile in die Hand und schleifen immer wieder an Ihren Mitarbeitern. Permanentes und wertschätzendes Nachfeilen führt zu einer bestmöglichen Entwicklung. Und weil Sie Ihren Mitarbeitern nahestehen, empfinden diese Ihr Feilen als echtes Interesse.

Das Nebenprodukt: Die Mitarbeiterbindung zu Ihnen steigt. Wenn dann ein Angebot mit 20 % mehr Gehalt reinkommt, überlegen es sich die Mitarbeiter tatsächlich zweimal, ob sie ihren Chef und damit die Firma verlassen.

Sparen Sie sich also den Bonus. Beginnen Sie lieber, Ihre Mitarbeiter aktiv und regelmäßig zu führen, langfristig zu entwickeln und damit an sich zu binden. Und wenn Sie den Bonus eben doch zahlen: Dann ist er unter einer sehr guten menschlichen und gleichzeitig herausfordernden Führung eben ein Gehaltsanteil – und mehr nicht.

Kontakt: mj(at)markus-jotzo.com

Markus Jotzo ist Speaker, Autor und Coach. Er rüttelt die Menschen aus ihrem Alltag wach. Sein aktuelles Buch heißt: „Die Unendlich-Stolz-Formel: Tu, was du nicht kannst“.


Bildquelle: © Markus Jotzo

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