Epische Schlachten Vorsicht Satire

Dr. Ulrich Goldschmidt
Vorstandsvorsitzender

von Ulrich Goldschmidt

Vergessen Sie Star Wars, vergessen Sie ­Harry Potter, die Hobbits und die Eroberung von Troja. Die wirklich epischen Schlachten werden heute von den PowerPoint-Kriegern auf Tagungen und Konferenzen, in Workshops, Vorstands- und Aufsichtsratssitzungen geschlagen. Es gibt kaum noch einen Vortrag, bei dem der Redner seine Zuhörer nicht mit einem Flächenbombardement von Folien und Bulletpoints überzieht. Fehlen die Argumente, wird bei der Zahl der Folien aufgerüstet. Sprechen mehrere über dasselbe Thema, setzt sich die Rüstungsspirale in Gang. Dabei ist die epidemische Verbreitung von PowerPoint-Präsentationen genau genommen überraschend. Die wirklich großen Redner in der Geschichte kamen ohne aus. Als Jesus seine Bergpredigt hielt, hat niemand im Hintergrund Steintafeln hochgehalten, auf denen die wichtigsten Punkte noch mal zusammengefasst waren. Als Martin Luther King bei seiner berühmten Rede in Washington sagte: „I have a dream“, ergänzte er nicht: „Und ich habe die wesentlichen Punkte meines Traums hier auf dieser Folie für Sie zusammengefasst.“ Und auch Winston Churchill kam bei „Blut, Schweiß und Tränen“ ohne eine einzige Folie aus. ­Reden, über die man heute noch spricht.

Wem also sollen solche Präsentationen helfen? Leider muss man sagen: In den meisten Fällen wohl doch nur dem Vor­tragenden. Überprüfen Sie es selbst, aber oft genug verhält sich die Zahl der gezeigten Folien umgekehrt proportional zur Kompetenz des Vortragenden. Auch ist es im Wesentlichen sinnfrei, seinen Vortragstext auf ­Folien zu übertragen und schlicht abzulesen. Regel­recht unverschämt wird es, wenn der Redner die Intellektualität seiner Zuhörer auf dem Niveau von Dreijährigen verortet, denen man in der Präsentation bunte Folien wie ein Bilderbuch präsentiert und die wenigen Textzeilen vorlesen muss. Dann sollte man besser allen das Vortragsmanuskript zuschicken und niemandem die Zeit stehlen. PowerPoint daher bitte nur dann, wenn sich daraus ein echter Mehrwert für den Zuhörer ergibt!

Deshalb ist dieser Text all denen gewidmet, die in überflüssigen Meetings und Konferenzen unter dem PowerPoint-Dauerbeschuss ihren Lebensmut eingebüßt haben.


Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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