Mitarbeiterkontrollen - Ethikverband und Führungskräfte gegen unangemessene Kontrollen

Die momentan zu beobachtende ausufernde Kontrollwut einiger Unternehmen kann die Unternehmenskultur nachhaltig beschädigen.

Wenn Mitarbeiter von ihren Unternehmen nicht nur kontrolliert, sondern sogar ausspioniert werden, stellt sich die Frage nach den Grenzen dieses Handelns. In einer gemeinsamen Erklärung äußern der Ethikverband der deutschen Wirtschaft und der Berufsverband "die Führungskräfte" die Sorge, dass die momentan zu beobachtende ausufernde Kontrollwut einiger Unternehmen die Unternehmenskultur nachhaltig beschädigen könnte. "In einem Klima des permanenten Misstrauens kann kein wirtschaftlicher Erfolg gedeihen", heißt es in der Verlautbarung der beiden Verbände. "Neben einer juristischen Berechtigung von Kontrollen müssen Unternehmen die Angemessenheit von Kontrollen berücksichtigen. Unangemessene Kontrollen zerstören Vertrauen.", gibt Ulf Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft zu bedenken.

Das Recht auf gewisse Kontrollmöglichkeiten soll den Arbeitgebern nicht genommen werden. Heute besteht aber ein erhebliches Maß an Rechtsunsicherheit, wie weit man als Arbeitgeber hier gehen darf, ohne z.B. Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers zu verletzen oder gegen das Datenschutzrecht zu verstoßen. "Der Ruf nach dem Gesetzgeber sollte stets die ultima ratio sein. Aber wenn es darum geht, in einem auch verfassungsrechtlich relevanten Bereich Rechtsunsicherheiten zu beseitigen, ist der Gesetzgeber gefragt", fordert Bernhard von Rothkirch, Vorsitzender des Führungskräfteverbandes. Dies dürfe man auch nicht mit dem Hinweis auf eine mögliche Verbürokratisierung der Arbeitsverhältnisse, wie von den deutschen Arbeitgeberverbänden unlängst angedeutet, vom Tisch wischen. 

"Unternehmen dürfen nicht handeln wie eine staatliche Ermittlungsbehörde oder sich sogar mehr Rechte anmaßen, als eine Staatsanwaltschaft selbst hätte. Wenn der Verdacht auf strafbare Handlungen im Unternehmen besteht, ist es jedem Unternehmer unbenommen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten und dann auch arbeitsrechtliche Konsequenzen zu ziehen.", betonen Ethikverband und Führungskräfteverband. Beide Verbände zeigen sich aber auch überzeugt, dass sich die überwiegende Zahl  der deutschen Unternehmen rechtstreu verhält und sich bei derart überzogenen internen Ermittlungsmethoden zurückhält.

Der Ethikverband der Deutschen Wirtschaft, mit Sitz in Frankfurt, unterstützt seit 2003 seine 22.000 Mitglieder in dem Bemühen,  wirtschaftliches Handeln und soziales Miteinander verträglich zu halten. Im Verband sind Unternehmer, Führungskräfte und Einzelpersonen organisiert. Ehrenpräsident und Gründungsmitglied ist Prof. Dr. Rupert Lay.

Der Berufsverband "die Führungskräfte" vertritt und fördert die beruflichen Interessen seiner rund 20.000 Mitglieder in allen beruflichen und versorgungsrechtlichen Angelegeheiten, insbesondere bei arbeits-, steuer- und straf- und sozialrechtlichen Fragen sowie im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Über seine Regional- und Fachgruppen bietet er ein Netzwerk für Führungskräfte in ganz Deutschland.

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