Besichtigung Fischaufstiegsanlage Geesthacht

Die Regionalgruppen Nord und Mecklenburg-Vorpommern haben gemeinsam am 12. September bei gutem Wetter die Fischaufstiegsanlage Geesthacht mit 30 Personen besichtigt. Die interessante und ausführliche Führung begleitete Gudrun Bode, die sehr kompetent alle Zahlen und Daten wusste und auch weitere Zusammenhänge detailliert erläutern konnte. Nach der Ausstattung mit Funkgeräten wurde die gesamte Fischaufstiegsanlage erkundet.

 

Fischeinstieg über das Wehr

 

Das Wehr

Das 1960 gebaute Wehr befindet sich am deutschen Elbe-Kilometer 585,9, südwestlich von Geesthacht und 142 Kilometer oberhalb der Elbmündung. Die Elbe bildet hier die Landesgrenze zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Das Wehr grenzt die durch die Gezeiten (Tide im Normalfall bis zu 3,5 m) beeinflusste Unterelbe vom mittleren Lauf ab. Bei höheren Sturmfluten kann das Wasser weiter stromaufwärts laufen; dadurch soll ein zusätzliches Ansteigen der Sturmflutscheitel in der oberen Tideelbe und bei Hamburg vermieden werden.

Der Elbe-Strom hat bis zum Wehr ein Einzugsgebiet von 135.013 km² und an dieser Stelle einen mittleren Abfluss von 728 m³/s. Das Stauvolumen von 8,2 Mio. m³ ermöglicht es Vattenfall, ein Pumpspeicher-Kraftwerk zu betreiben.

Auf deutschem Territorium ist das Wehr in Geesthacht die einzige Staustufe und damit für den Fischzug auch die einzige Barriere.

 

Fischaufstiegsanlagen

Die südliche kleine Fischtreppe wurde 1998 gebaut, um Fischen den Aufstieg zu ermöglichen, sie ist 216 m lang und 11 m breit. Der Einstieg für die Fische liegt jedoch 70 m vor dem Wehr, so dass viele Fische den Einstieg verpassen und dann am Wehr enden bzw. umkehren. In der alten Anlage wurden 32 Fischarten vorgefunden, es fehlten wegen der Baugröße jedoch Störe, Hechte, Silberkarpfen und Bachforellen.

Die von uns besichtigte Nordanlage wurde am 1. August 2010 eröffnet und ist die größte Fischaufstiegsanlage in Europa. Vattenfall hat eine 550 m lange Fischaufstiegshilfe mit 49 Becken von 9 m Länge und 16 m Breite errichten lassen. Der Höhenunterschied beträgt pro Becken 9 cm, insgesamt 4,40 m. Durch seitliche Schlitze in den Becken können auch schwimmschwache und sehr große Fische ins nächsthöhere Becken gelangen. Durch diese Anlage gelangen jetzt auch Wanderfische wie Lachs, Meerforelle und Stör in ihre ursprünglichen Laichgebiete in der mittleren und oberen Elbe. Um die in einem Modellversuch nachgewiesene Funktionsfähigkeit der Anlage in der Realität zu überprüfen, werden die aufgestiegenen Fische artspezifisch jeden Morgen von Hand gezählt und nach der Größe klassifiziert. Seit Inbetriebnahme der Anlage haben mehr als 3 Mio. Fische aus 44 verschiedenen Fischarten den Aufstieg bewältigt, bis zu 25.000 täglich.

Speziell für Glas- und Steigaale wurden vier zusätzliche Aalleitern installiert, um den ausgestorbenen Aal im Flussoberlauf wieder anzusiedeln.

Es war eine äußerst lehrreiche Veranstaltung, die einen sehr guten Einblick in die heutige Problematik der Renaturierung eines großen Flusslaufes gab. Besonderes imposant war die Größe der gesamten Anlage, die einzigartig in ganz Europa ist.

Am Ende der Führung waren sich alle einig, dass jeder Norddeutsche diese Vorzeigeanlage kennenlernen sollte, um das Ökosystem Elbe besser verstehen zu können. Für unsere Umwelt ist diese Fischaufstiegsanlage mit Sicherheit ein großer Zugewinn.

Bildquelle: www.die-fuehrungskraefte.de

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