Besuch der Quadriennale Düsseldorf

Alle vier Jahre findet in Düsseldorf das Kunstfestival „Quadriennale“ statt. Die Quadriennale Düsseldorf 2014 steht unter dem Titel „Über das Morgen hinaus“. Mit diesem Appell werden die Besucherinnen und Besucher eingeladen, sich kurzzeitig aus der eigenen Gegenwart zu lösen, um zu erkunden, welche Vorstellungen von Zukunft sich Menschen zu verschiedenen Zeiten gemacht haben.

Exklusiv-Führung für die RG Düsseldorf

Von Dr. Renate Schüller

Bereit, sich auf diese Erfahrung einzulassen, besuchten 30 interessierte Mitglieder der Regionalgruppe Düsseldorf am 11. Mai 2014 die Ausstellung „Kandinsky, Malewitsch, Mondrian – Der weiße Abgrund Unendlichkeit“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20. In zwei exklusiven Führungen wurde den Teilnehmern das vielschichtige Thema der weißen Flächen in den Werken von Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch und Piet Mondrian vorgestellt und erläutert. Die drei Avantgarde-Künstler haben Anfang des letzten Jahrhunderts parallel zueinander einen je eigenen Weg zur Abstraktion entwickelt. Dabei galt dem Konzept „Weiß“ ihre besondere Aufmerksamkeit. Weiß wurde für die Künstler zu einem Symbol für eine zukünftige Welt.

Die Ausstellung zeigt ausgewählte Hauptwerke der Künstler aus der Zeit von 1911 bis 1941. Jedem Bild steht eine eigene Wand zur Verfügung. So kann der Betrachter sich auf jedes einzelne Bild konzentrieren und die unterschiedliche Auseinandersetzung der drei Künstler mit der Farbe Weiß auf sich wirken lassen.

Es war außerordentlich interessant zu erfahren, wie viele Nuancen der „Nichtfarbe“ Weiß es gibt und welch vielseitige Eindrücke und Effekte die Künstler geschaffen haben. Jeder der Künstler hat seinen unverkennbaren eigenen Stil entwickelt. Das verbindende Element ist die Vorstellung der Künstler von der Existenz einer vierten Dimension; die Vorstellung, dass hinter der Grenze der menschlichen Wahrnehmung eine unsichtbare Realität existiere. Diese höhere Dimension wollten sie in ihren Werken sichtbar machen und bedienten sich dazu in unterschiedlicher Weise der Farbe Weiß als Gestaltungselement.

Weiß, das ist z. B. für Malewitsch die Gegenstandslosigkeit in höchster Vollendung. Weiß steht für nichts und enthält zugleich alle Möglichkeiten. Sein Werk „das schwarze Quadrat“, ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund, ist das Initialwerk des von ihm entwickelten Suprematismus und damit Wegbereiter für die abstrakte Kunst. Seine Formulierung „Der weiße, freie Abgrund, die Unendlichkeit liegt vor uns“ war nicht nur wegweisend für seine Kunst, sondern auch Namensgeber für die in Düsseldorf gezeigte Ausstellung.

Für Wassily Kandinsky symbolisiert die weiße Fläche eine Welt, in der alle Farben verschwunden sind. Diese Welt ist aber nicht tot, sondern steckt voller Möglichkeiten. Denn Weiß ist für Kandinsky die positive Ursprungskraft der Evolution und symbolisiert den Aufbruch in die Zukunft. Besonders eindrucksvoll hat Kandinsky dies in seinem „Bild mit weißem Rand“ zum Ausdruck gebracht.

Piet Mondrians Kompositionen beschränken sich auf die Primärfarben Rot, Gelb und Blau. Sie sind für ihn die „innersten Farben“. Ihnen gegenüber stellt er die „Nichtfarben“ Schwarz und Weiß. Mit seinen geometrischen Figuren will er jegliche illusionistische Räumlichkeiten lösen und zur „Gestaltung der reinen Realität“ vordringen.

Die in der Ausstellung gezeigten Werke sind eingebunden in vier „Laboratorien“, in denen die theoretischen und künstlerischen Hintergründe der Künstler und ihrer Werke aufgezeigt werden. Außerdem widmet sich die Ausstellung intensiv den Einflüssen, unter denen die Künstler zu jener Zeit standen.

All diese Zusammenhänge und Erkenntnisse wurden den Mitgliedern der Regionalgruppe Düsseldorf in den beiden Exklusivführungen auf interessante Weise fachkompetent vermittelt. So hat die Ausstellung ihren Besuchern nicht nur die Werke von Kandinsky, Malewitsch und Mondrian nähergebracht. Verbunden mit der Erkenntnis, dass Weiß mehr ist als nur eine (Nicht-)farbe, hat sie den Teilnehmern auch den Blick „über das Morgen hinaus“ eröffnet.

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