Führung und Kommunikation im Orchester - eine andere Art der Führung

Am 14. Juni 2014 bot sich der Regionalgruppe die Gelegenheit, an der Generalprobe des WDR Rundfunkorchesters Köln unter Leitung seines Gastdirigenten Hansjörg Schellenberger teilzunehmen. Die Veranstaltung stand unter dem Ziel, herauszuarbeiten, welche Elemente der Führung und Organisation eines Orchesters auf die Arbeit im Unternehmen übertragen werden können.

Teilnehmer der Veranstaltung

Nach der Probe gab es Gelegenheit, diese unter Führungs- und Organisationsaspekten mit dem Dirigenten und dem Konzertmeister zu beleuchten. Schellenberger zog die Gruppe nicht nur mit seiner Arbeit, sondern auch mit seiner leidenschaftlichen Art in Bann. Er wies umgehend auf die wichtigsten Aspekte hin.

Harmonie (= Balance) steht an erster Stelle. Das heißt Harmonie in seiner Person selbst, in den einzelnen Stimmgruppen und untereinander im Orchester. Sollte dies nicht gegeben sein, setzt er mit den Gruppen ein Gespräch an. Der Dirigent ist Moderator und sollte offen für Vorschläge aus dem Orchester sein. Bei inhaltlichen Meinungsunterschieden wird er die Richtung vorgeben. Die Kammermusikarbeit sieht er als sehr wichtigen Beitrag zur Orchesterarbeit an, da dort jeder seine Stimme allein spielt und mit allen Musikern kommunizieren muss. Dies wirkt sich auf die eigene Arbeit im Gesamtverband Orchester positiv aus. Aufeinander achten und hören ist auch wegen der Sitzanordnung im Orchester von Bedeutung. Die Bläser z. B. sitzen räumlich nicht so dicht am Dirigenten wie die Streicher. Um einen einheitlichen Klang zu erzeugen, sind die Genannten gehalten, die Noten ‚vorauszudenken‘ und einen Tick zeitiger einzusetzen als es auf dem Papier steht, so dass sich der Klang auf den Punkt mit den weiter vorn platzierten Kollegen formt. Ansonsten findet kein exakter Gleichklang statt. Als letzten Punkt nannte er den Dienst am Werk selbst. Es ist das Wichtigste, was es zu erarbeiten gilt, und das Ego rückt in den Hintergrund.

Der Konzertmeister beschrieb den Beginn der Probenarbeit so, dass er zuerst Eindrücke nonverbal sammelt, um dann zu agieren und das Orchester zu lenken. Wie in Firmen treffen sich die Stimmführer (= Abteilungsleitung) zu vorbereitenden Arbeiten wie etwa der Strichführung der Streicher.

Ein großer Anteil der Orchesterführung erfolgt nonverbal mittels Körpersprache und Mimik. Bemerkenswert war in der Probe zu erleben, wie das gesamte Orchester den Solisten unterstützte, als er schwierige Passagen zu meistern hatte und diese mehrfach probieren wollte. Ebenso konnte man anhand der Körpersprache der Musiker sehen, wie alle vollständig mitgegangen sind als es stimmig war.

Auf die Frage nach der internationalen Besetzung und Auswirkung auf die Arbeit bestätigte Schellenberger, dass dies bereichernd wirkt. Aus diesen Ansätzen kann man viel auf das Leben in einer Firma ableiten und übertragen. Einig waren sich die Teilnehmer jedoch, dass es viel zu wenig im Unternehmen vorkommt, dass diese ‚Regelungen‘ bewusst sind und demnach zu selten geachtet werden.

 

Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE – DFK

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