Mitbestimmung schützt vor "Bossnapping"

Wenn wütende französische Arbeitnehmer ihre Unternehmensleitungen als Geiseln nehmen, erklärt sich dies aus den Besonderheiten französischer Arbeitsbeziehungen, ist deshalb aber noch lange kein Vorbild für Deutschland.

Hierauf weist der Berufsverband "die Führungskräfte" wegen der verschiedentlich geäußerten Befürchtungen hin, diese "Bossnapping"-Welle könne von Frankreich nach Deutschland schwappen. "Zu diesen Geiselnahmen in französischen Betrieben kommt es insbesondere deshalb, weil die dortigen Arbeitnehmer und Arbeitnehmervertreter nicht mehr das Gefühl haben, dass mit ihnen z. B. bei anstehenden Werksschließungen noch ernsthaft über Lösungsmöglichkeiten diskutiert wird und ihre Sorgen um die Arbeitsplätze ernst genommen werden", erläutert der Hauptgeschäftsführer des Führungskräfteverbandes Dr. Ulrich Goldschmidt. "In Deutschland ist die Situation anders. Hier stellt die Mitbestimmung im Betriebsverfassungsgesetz, ergänzt durch die Vertretung der Arbeitnehmer in den Aufsichtsräten, ein umfassendes Instrumentarium zur Konfliktlösung zur Verfügung. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretern gehört zum Grundverständnis des deutschen Mitbestimmungsmodells.", so Ulrich Goldschmidt weiter. Dazu gehöre es auf der einen Seite, die unternehmerische Freiheit des Arbeitgebers anzuerkennen, in seinen Entscheidungsprozess die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmer aber ernsthaft und glaubwürdig einzubinden, so dass die Arbeitnehmervertreter im Sinne eines echten Co-Managements zu einer Optimierung der Entscheidungsfindung beitragen können. "Wenn dieses gemeinsame Grundverständnis auch weiterhin hält, lässt sich auch in Zukunft eine Radikalisierung in den Arbeitsbeziehungen in Deutschland vermeiden." ist sich Ulrich Goldschmidt sicher.

Der Berufsverband "die Führungskräfte" vertritt und fördert die beruflichen Interessen seiner rund 20.000 Mitglieder in allen beruflichen und versorgungsrechtlichen Angelegenheiten, insbesondere bei arbeits-, steuer-, straf- und sozialrechtlichen Fragen sowie im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Über seine Regional- und Fachgruppen bietet er ein Netzwerk für Führungskräfte in ganz Deutschland.

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