Diplomatic Council meets business

Direkt am Flugplatz in Egelsbach bei Frankfurt hat am 14. Mai 2013 eine Veranstaltung ganz besonderer Art stattgefunden. Der Titel lautet: „Commercial Diplomacy: Wie Führungskräfte von Diplomaten profitieren können – und umgekehrt!“

Thomas Gronenthal, Partner bei "euromarcom public relations"

Wer denkt oder dachte, Diplomatie und Business passen nicht zusammen, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt. Diese beiden Aspekte sind nämlich miteinander so eng verzahnt, dass das eine ohne das andere nicht funktionieren kann.

Der Referent Thomas Gronenthal ist Partner bei „euromarcom public relations“, einem der größten inhabergeführten Agenturnetzwerke in Europa. Er ist ein anerkannter Fachautor und Experte für Multichannel Public Relations. Darüber hinaus ist er als Executive President im globalen Think Tank Diplomatic Council an herausragender Stelle tätig. Hier hat er sich als Fachmann für Commercial Diplomacy einen Namen gemacht. Der Referent ist aufgrund seiner Doppelfunktion in Wirtschaft und Diplomatie geradezu prädestiniert, über die Verbindung beider Welten zu sprechen.

Die sogenannte Commercial Diplomacy hat sich in den letzten Jahren zu einem wachsenden Segment im diplomatischen Dienst entwickelt. Im Kern geht es beim Diplomatic Council darum, mit Mitteln und Wegen der Diplomatie die Wirtschaft zu unterstützen.

Die Veranstaltung verfolgte zum einen das Ziel, aufzuzeigen, warum Botschafter, General- und Honorarkonsuln immer mehr den Kontakt zu Führungskräften aus der Wirtschaft suchen und wie beide Seiten davon profitieren können. Zum anderen gab es bei der Veranstaltung Zeit und Raum, gemachte Erfahrungen –  überwiegend im Ausland – auszutauschen.

Der Referent eröffnete seinen Vortrag mit kurzen, packenden Darstellungen zum Thema, wodurch klar wurde, von welcher Wichtigkeit der Kräfteaustausch zwischen Diplomatie und Wirtschaft ist. Besonders interessant waren die Beispiele aus verschiedenen Ländern und deren unterschiedlichen Gepflogenheiten. Wem ist es denn bekannt, dass in Japan nicht das äußere Erscheinungsbild bei Geschäftsverhandlung im Vordergrund steht? In Japan steht vor einem Geschäftsabschluss zunächst einmal das Kennenlernen. Also einfach ausgedrückt: Schlips aus, denn nun ist Trinkfestigkeit gefragt! Diese hierzulande unübliche Sitte wurde von vielen Teilnehmern, die mehrere Jahre in Japan gelebt hatten, bestätigt.

Um erfolgreich Geschäfte im Ausland abzuschließen, reicht allein ein „nur“ fachliches Können nicht aus. Unterschiedliche Unternehmensvertreter beteiligten sich rege an der Diskussion und berichteten von ihren zum Teil amüsanten und zum Teil prägenden Erfahrungen. Vor allem in Asien herrschen bestimmte Verhaltensstandards, bedingt durch andersartige Kulturen, die gegenüber dem westlich-europäischen Verhalten teilweise recht gravierende Unterschiede aufweisen. Als allgemeines Sozialverhalten in China gilt zum Beispiel, dass „das Gesicht zu wahren“ und nicht „bloßgestellt zu werden“, von großer Bedeutung ist. Bei Konflikten ist es deswegen sehr wichtig, goldene Brücken zu bauen, damit beide Seiten ohne Gesichtsverlust aus dem Konflikt herauskommen. Auch beim Thema Geschenke sollte man gut informiert sein, da China eine ausgeprägte Geschenkkultur hat. Interkulturelle Schulung ist also unverzichtbar. Ein Teilnehmer brachte ein weiteres Beispiel: Das allgemeine Sozialverhalten in Vietnam vermeidet das Wort „nein“. Man kann sich vorstellen, wie schwierig es für Europäer sein muss, zu erkennen, woran man beim vietnamesischen Geschäftspartner ist. Denn nur eine geschulte Person wird unterscheiden können, ob es wirklich ein nein war oder nur ein vielleicht. Das gewonnene Vertrauen der Einheimischen könnte hier sehr hilfreich sein.

Das Thema wurde allgemein lebhaft diskutiert. Die Erfahrungen der Führungskräfte mit intensivem Auslandskontakt können zu folgenden Grundregeln zusammengefasst werden:

  • Zeit mitbringen, denn auf die Schnelle wird kein Geschäft abgeschlossen
  • Geduld haben, denn man muss der Gegenseite Bedenkzeit einräumen
  • Vertrauen gewinnen durch glaubhafte Selbstdarstellung, denn z.B. im asiatischen Raum ersetzt „perfektes“ Auftreten nicht die Seriosität
  • Anpassung an Kultur und Sitte in anderen Ländern

Nach der Vortragsveranstaltung gab es genügend Zeit, bei einem kleinen Imbiss für Gespräche und zum Kennenlernen.

Bildquelle: www.die-fuehrungskraefte.de

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