Die „Münchener Museumstage“ im November 2012 – 400 Jahre Kunst ausgebucht

Wie in den vorangegangenen Jahren stand der November wieder im Zeichen der Kunst: Allen sechs Veranstaltungen, organisiert durch die Vorstandschaft der RG Süd, war eins gemeinsam – sie waren restlos ausgebucht, was eindeutig für die Qualität der Münchner Sammlungen spricht.

Alte Pinakothek<br>Quelle: commons.wikimedia.org

Vom frühen Dürer, der nicht nur in Nürnbergs fulminanter Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum, sondern mit deutlich weniger Stress auch in München zu bewundern ist, über die Prachtentfaltung im Rokoko im Bayerischen Nationalmuseum bis zu Gustav Klimt und Egon Schiele in der Neuen Pinakothek reichte der zeitliche Bogen.

Das Selbstporträt Albrecht Dürers verrät die neue Rolle des Künstlers zwischen Renaissance und Reformation. Idealisierend und fast beschwörend malte Dürer sein meisterhaftes Konterfei ohne Auftraggeber und behielt es Zeit seines Lebens in seinem Besitz. Changierend zwischen Christusimitation, Richterbild und faszinierender Werbetafel für seine neu eingerichtete Malerwerkstätte zieht das Bildnis noch heute die Besucher in seinen Bann – und in die Alte Pinakothek.

Der Star des Bayerischen Nationalmuseums ist dagegen, was seine Herkunft und Ausbildung anbelangt, ein eher Unbekannter: Franz Anton Bustelli (* 12. April 1723 in Locarno, Schweiz; † 18. April 1763 in München) war Bildhauer und Modellierer von Porzellanfiguren. Er gilt als der bedeutendste Porzellankünstler des Rokoko. Vom 3. November 1754 bis zu seinem Tod 1763 wirkte er an der Porzellanmanufaktur Nymphenburg, die bis 1761 im Schlösschen Neudeck in der Münchener Au untergebracht war. Er schuf ca. 150 Figuren zu den Themen Frömmigkeit, Chinoiserie, Galanterie, ovidischer Götterhimmel und Volksleben. Sein berühmtestes Werk sind die 16 Figuren der Commedia dell'Arte, von denen eine besonders schöne Auswahl im Bayerischen Nationalmuseum zu sehen ist. Mit ihnen gelingt ein erkenntnisreicher Einstieg in die höfische Welt des 18. Jahrhunderts. Kostüme und Bekleidung, Musikinstrumente und Spiele bis zur silberglänzend gedeckten Tafel des Hildesheimer Silberservice legen beredtes Zeugnis einer kunstsinnigen Epoche vor der Französischen Revolution ab.

Die letzte Station bildete ein Rundgang durch die Neue Pinakothek, dessen Ziel das – zugegebenermaßen – kleine Kabinett mit Werken aus der Wiener Moderne um 1900 war. Beispielhaft steht Wien für eine Vielzahl europäischer Großstädte, die im Laufe weniger Jahrzehnte zu Metropolen heranwachsen und deren Bewohner und Bürger Zeugen von politischen und industriellen Umbrüchen inmitten gigantischer Baustellen werden. Wien ist um 1900 das intellektuelle Zentrum Europas mit einer nie wieder erreichten Zusammenführung großer Persönlichkeiten in Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft. Gustav Klimt und Egon Schiele stehen stellvertretend für eine Kunst zwischen Tradition, Jugendstil und schockierender Moderne.

Wie immer war es eine große Freude, die perfekt vorbereiteten Veranstaltungen mit interessierten und lobenswert pünktlichen Kunstfreunden führen zu dürfen. Unter vielen „neuen“ waren auch zahlreiche „alte Gesichter“, die wiederzusehen ein angenehmes Gefühl der Verbundenheit schaffte.

„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“, resümierte Karl Valentin. Zugleich aber eine der wenigen Arbeiten, auf die man sich freuen kann – wie immer im November.

Zurück