München im Vergleich

Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ist die Attraktivität einer Großstadt sowohl für die Unternehmen als auch die Arbeitnehmer von zunehmend wichtiger Bedeutung. Der Wettbewerb zwischen den Metropolen beschränkt sich hier nicht mehr auf die nationale Ebene. Globalität und Mobilität fordern weitreichende Anstrengungen der Städte im Hinblick auf das Nahverkehrs-Angebot sowie die Anbindung an die Drehscheiben des internationalen Verkehrs. Ansprechende Wohnmöglichkeiten und kulturelle Offerten einerseits wie auch moderne Infrastruktur und ein unternehmerfreundliches Umfeld andererseits sind gefragt.

Dieter Reiter

Wer könnte für dieses interessante und aktuelle Thema besser geeignet sein als der Leiter des Referates für „Arbeit und Wirtschaft“ der Landeshauptstadt München? Wir haben uns daher besonders gefreut, Diplom-Verwaltungswirt Dieter Reiter, der nach verschiedenen leitenden Funktionen in der Verwaltung der Landeshauptstadt München derzeitiger Leiter des Referates ist, als kompetenten Referenten für dieses Thema gewonnen zu haben. Reiter ist seit Dezember 2011 außerdem offizieller Kandidat der SPD für das Amt des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München. Der Vortrag fand am 31. Juli im Hotel Maritim in München statt.

Situation der Stadt München

In seinem fast zweistündigen Vortrag, der immer wieder durch Fragen der sehr interessierten Zuhörer unterbrochen wurde, konnte Dieter Reiter ein umfassendes Bild von der wirtschaftlichen Situation der Landeshauptstadt München im Vergleich zu anderen deutschen Städten zeichnen. So hat München die höchste Beschäftigungsquote aller deutschen Großstädte. Dabei ist aber besonders anzumerken, dass es sich um keine Monokultur handelt, sondern es eine Branchenvielfalt mit einer gesunden Struktur bei den Unternehmensgrößen gibt, d. h. insbesondere ein ausgeprägter Mittelstand vertreten ist. In der langfristigen Prognose der Erwerbstätigenentwicklung lässt sich der Trend erkennen, dass die Zahl der Erwerbstätigen in der Baubranche langfristig abnehmen, die im Bereich wirtschaftsnahe Dienstleistungen langfristig zunehmen wird. Diese ausgewogene Unternehmensstruktur ist u. a. auch der Grund dafür, dass München mit 4,6 % (2012) die niedrigste Arbeitslosenquote aller deutschen Großstädte hat.


Auch bei den kommunalen Finanzen steht die Landeshauptstadt gut da. Die Schulden der Stadt München konnten in den letzten Jahren kontinuierlich abgebaut und dadurch die Zinslast gesenkt werden, was Raum für neue Investitionen in Höhe von ca. 800 Mio. € schafft. Die Stadtverwaltung hat unter der Leitung von Dieter Reiter bereits vor einigen Jahren die kameralistische Haushaltsführung verlassen und auf eine Bilanzierung wie in der Wirtschaft üblich umgestellt. Eine unerfreuliche Entwicklung – zumindest für Mieter und Eigennutzer – haben Baulandpreise und Mieten in den letzten Jahren insbesondere seit etwa 2005 genommen. Auch hier ist München leider Spitzenreiter. Die hohen Mieten sind für junge Familien kaum bezahlbar – hier plant die Stadt München, durch eigenen Wohnungsbau insbesondere für junge Familien erschwinglichen Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Europäischer Wettbewerb

Im Wettbewerb mit anderen deutschen, europäischen und anderen Großstädten weltweit ist München nahezu immer auf den ersten Plätzen zu finden. So etwa bei der Studie „Mercers 2012 Quality of Living Ranking Global“, die die Lebensqualität anhand von politischen, sozialen, wirtschaftlichen und umweltorientierten Aufgaben untersucht hat und bei der München auf dem 4. Platz gelandet ist.

Ein ganz wichtiger Wettbewerbsfaktor für München ist jedoch die Demografie seiner Einwohner bzw. der Anteil der Arbeitnehmer; im krassen Gegensatz zum deutschlandweiten Trend dominieren in München eindeutig die 30- bis 45-Jährigen. Dies ist sicherlich das größte Kapital von München für die Zukunft und gleichzeitig auch die größte Herausforderung für die Politik, dafür zu sorgen, dass es so bleibt. 

Neben diesen harten Wettbewerbsfaktoren gibt es noch die weichen Standortfaktoren wie Lebensqualität, Qualifikationsniveau und Kultur- und Freizeitangebot. Auch bei diesen weichen Faktoren steht München z. B. aufgrund seiner zahlreichen Museen und Theater, seinem südlichen Flair und seiner Nähe zu Seen und Bergen sehr gut da. 

Als Herausforderungen und Handlungsfelder für die Zukunft nannte Reiter die zunehmende Ressourcenknappheit, Klimawandel und Energie, den demografischen Wandel, Globalisierung und internationale Vernetzung, gesellschaftliche Polarisierung sowie die noch nicht überwundene Finanzkrise.

Dieter Reiter ist es gelungen, umfassende Informationen und statistische Daten kompetent und lebendig zu vermitteln und damit einen spannenden, mit zahlreichen Diskussionen versehenen, gelungenen Abend zu gestalten. Der Vorstand der RG Süd hat ihm dafür seinen Dank ausgesprochen.

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