Verbandstag 2011 - Umfassendes Zukunftskonzept

DIE FÜHRUNGSKRÄFTE rufen zur Standort- und Arbeitsmarktoffensive auf!

Welche Initiativen müssen Politik und Wirtschaft ergreifen, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands dauerhaft zu erhalten? Wie muss die Bundesrepublik auf den demographischen Wandel reagieren? Und an welchen Stellschrauben müssen Unternehmen drehen, um mehr Frauen den Weg in Spitzenpositionen zu ebnen? Diese Fragen standen am vergangenen Freitag im Fokus des Verbandstages des Berufsverbandes DIE FÜHRUNGSKRÄFTE (DFK) im Hotel Maritim in Berlin. Der alte und neue DFK-Vorsitzende Bernhard von Rothkirch machte dabei deutlich, dass die zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft ein hohes Maß an zivilgesellschaftlichem Engagement erfordern und stellte klar:  „DIE FÜHRUNGSKRÄFTE sind bereit, auch über das berufliche Umfeld hinaus Verantwortung zu übernehmen.“ Mit seinem Leitantrag „Gemeinsame Verantwortung von Politik und Wirtschaft für die Zukunft von Arbeitsplätzen in Deutschland“ gab der DFK den Startschuss für eine umfassende Standort- und Arbeitsmarktoffensive. Die Gastredner der Veranstaltung,  Andreas Storm, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, und der Europaabgeordneter Martin Kastler, griffen das Zukunftskonzept des Verbandes in ihren Vorträgen gleich an mehreren Stellen auf.

Deutschland befindet sich derzeit in einer komfortablen Situation: Die Wirtschaftskrise ist überstanden, zahlreiche Unternehmen vermelden volle Auftragsbücher. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute korrigierten ihre Prognosen jüngst nach oben und prognostizieren für 2011 ein Wachstum von 2,8 Prozent. Doch „der Erfolg wird uns nicht geschenkt“, mahnte von Rothkirch auf dem Verbandstag. Aus diesem Grund fordert der DFK die Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Medien dazu auf, eine umfassende Standort- und Arbeitsmarktoffensive einzuleiten. Eckpfeiler des Leitantrags: Die Stärkung des Bildungswesens auf sämtlichen Ebenen, die Sicherung der Lebensqualität durch Wertschöpfung und Produktion, eine Akzeptanzoffensive für die Technik und die zukunftsfähige Gestaltung von Arbeitsplätzen.

Arbeitsplätze zukunftsfähig machen – Frauen in Führungspositionen

Als Maßnahme gegen einen drohenden Führungskräfte-Mangel spricht sich der DFK in seinem Leitantrag dafür aus, die Zukunftsfähigkeit der Arbeitsplatzsituation zu hinterfragen. Um dem demographischen Wandel wirkungsvoll zu begegnen, werde es immer wichtiger, Frauen den Weg in die Führungspositionen zu eröffnen und das Erfahrungswissen der älteren Generation zu nutzen.

„Eine zentrale Aufgabe ist es, die Chancen von Frauen zu verbessern, in Führungspositionen zu kommen. Die Unternehmen werden in den nächsten Jahren viel mehr Frauen in Führungspositionen bringen müssen, allein schon, um der demographischen Entwicklung Rechnung zu tragen“, erklärt der Verband in seinem Leitantrag und fügt hinzu: „Mittel- und langfristig werden es sich Wirtschaft und Einzelunternehmen nicht mehr erlauben können, große Teile des intellektuellen Potentials der Bevölkerung brachliegen zu lassen, indem auf den Einsatz weiblicher Führungskräfte verzichtet wird.“ Jede Führungskraft sei dazu aufgerufen, die Förderung von Frauen in Führungs-positionen im eigenen Umfeld aktiv zu unterstützen.

Im Kontext des demographischen Wandels ruft der Berufsverband außerdem zu einem kulturellen Wandel im Umgang mit älteren Mitarbeitern auf: „Wir brauchen die Erfahrung älterer Führungskräfte und Mitarbeiter in Zukunft mehr denn je.“ Es sei daher nötig, den älteren Kollegen mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Dies könne durch eine veränderte Kommunikation im Unternehmen und eine Reihe von HR-Aktivitäten erreicht werden.
Staatssekretär Storm unterstrich in seiner Rede den Standpunkt des DFK: „Wir müssen den demografischen Wandel als Chance begreifen. Nur wenn es uns gelingt, ältere Arbeitsnehmer mit ihrem Erfahrungswissen länger im Arbeitsleben zu halten und die vielfach gut ausgebildeten Frauen stärker in Beschäftigung zu bringen, können wir dem heute schon absehbaren Fachkräftemangel etwas entgegensetzen. Das kann jedoch nicht allein Aufgabe der Politik sein. Die Verantwortung für lebensnahe Lösungen liegt ebenso bei den Unternehmen und den Beschäftigten selbst.“

Auch der Europaabgeordnete Martin Kastler ging auf den Umgang mit älteren Mitarbeitern ein. Vor dem „Europäischen Jahr für aktives Altern“ (2012) will der sozial- und entwicklungspolitische Sprecher der CSU-Europagruppe die Öffentlichkeit für die Belange älterer Arbeitnehmer sensibilisieren: „Es geht in der Diskussion nicht nur um beschäftigungspolitische Überlegungen“, betonte der Politiker. Vielmehr müsse die Gesellschaft eine Kultur des aktiven Alterns etablieren. Hierzu kämen drei Aspekten eine besondere Bedeutung zu, nämlich „Vitalität, Würde und Solidarität“.

Stärkung des Bildungswesens

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik zu sichern, spricht sich der DFK in seinem Leitantrag zudem für eine Stärkung des Bildungswesens auf sämtlichen Ebenen aus. „Ohne ein effizientes und konkurrenzfähiges Bildungssystem wird es nicht gelingen, dauerhaftes Wachstum und damit auch Arbeitsplätze zu generieren“, heißt es in dem Strategiepapier.
Eine Forderung, die auch Staatssekretär Storm in seiner Rede hervorhob: „Eine zentrale politische Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Deutschland auch in Zukunft ausreichend gute und passgenau qualifizierte Fachkräfte hat. Das gilt ganz besonders vor dem Hintergrund der demo-grafischen Herausforderungen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Wir arbeiten Hand in Hand mit den Sozialpartnern, um diese Aufgabe zu meistern.“

Konkret plädiert der DFK dafür, bereits im vorschulischen Bereich aktiv zu werden, um die beste Entwicklung des Nachwuchses zu gewährleisten: „Maßnahmen, die erst in der Schule ansetzen, geraten zu kurz, da die vorschulische Zeit in Bezug auf Erwerb von Wissen und Fähigkeiten der prägendste Lebensabschnitt ist.“ Aus diesem Grund müsse sich die Bundesrepublik an den skandinavischen Ländern orientieren und hoch qualifiziertes Personal mit interdisziplinärer Ausbildung (Pädagogik und Psychologie, Technik, Sprachen und Kunst) zur Erziehung rekrutieren.
Darüber hinaus setzen sich DIE FÜHRUNGSKRÄFTE für einen Abschied vom althergebrachten Bildungsföderalismus ein. Stattdessen solle ein effizientes, bundesweit einheitliches Bildungssystem etabliert werden, das jedem eine Chance – auch eine zweite – gibt, und Begabungen sowie Forschung fördert. Landesregierungen dürften die Bildungssysteme nicht als politische Experimentierfelder missbrauchen, deshalb „wäre es nur konsequent, die Bildungshoheit beim Bund anzusiedeln“ und ve-bindliche, schulische Bildungsstandards festzulegen.

Alle erforderlichen Bildungsmaßnahmen versteht der DFK als generations-übergreifend. Das Bildungsbedürfnis erstrecke sich angesichts der steigenden Lebensarbeitszeit auf das gesamte Erwerbsleben eines Menschen. Insofern unterstützt der Verband ausdrücklich die Programme zum Life-Long-Learning.

Bekenntnis zur Industrie

Ein weiterer Eckpfeiler des DFK-Leitantrags ist die Empfehlung, zur Realisierung von Wohlstand und Lebensqualität auf Wertschöpfung und Produktion zu setzen. Der Verband fordert daher ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland. Diesbezüglich betont der DFK auch die zentrale Bedeutung  des Mittelstands: Nur mittelstandsstärkende und wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik könne mehr Wohlstand und Lebensqualität bewirken.

Akzeptanzoffensive für die Technik

Vierter Aspekt des DFK-Leitantrags: Eine Akzeptanzoffensive für die Technik. Um die Industrie in Deutschland und Europa zu stärken, müsse die Politik die Bedeutung von Forschung und Technik öffentlichkeitswirksamer hervorheben sowie Forschungsfreiheit und die Förderung von Innovationen sicherstellen. Es sei Aufgabe der Politik, technische Visionen zu unterstützen.

Zur Stärkung des Industriestandortes müsse außerdem der technisch-naturwissenschaftliche Unterricht forciert werden. Hierbei gelte es, die Lehrpläne der allgemeinbildenden Schulen den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen. Ein interdisziplinäres Fach (z.B. „Forschung und Technik“) sollte nach Ansicht des DFK zum Lehrplan gehören. Lehrer müssten entsprechend fortgebildet werden.

Da die Technikabneigung in Deutschland einen Rückgang der Anzahl an Ingenieurs- und Naturwissenschaftsstudenten bewirke, sollten diese Studiengänge nach Ansicht des DFK gezielt gefördert werden – unter anderem mit Werbung und Aufklärung. Darüber hinaus fordert der DFK, dass mehr Ingenieure und Naturwissenschaftler auch politische Ämter übernehmen. Überdies sei die Politik dazu aufgerufen, einen Technikrat zu bilden, der „alle Maßnahmen der Akzeptanzoffensive konzipiert, koordiniert und begleitet“.

Rückhalt für Vorstand – Personelle Kontinuität

Neben der Vorstellung des Leitantrags bildeten die Vorstandswahlen den zweiten wichtigen Bestandteil des Verbandstages. Bernhard von Rothkirch wurde mit mehr als 94 Prozent der Delegiertenstimmen als Verbands-vorsitzender bestätigt. Im Vorstand findet sich in Zukunft  ein neues Gesicht: Mit Sigrid Janetzko, Bankdirektorin und Aufsichtsratsmitglied der WestLB AG, sitzt nun eine Frau im leitenden Gremium des Verbands.

Wiedergewählt wurden neben von Rothkirch auch Dr. Klaus Müller als stellvertretender Verbandsvorsitzender, Michael Scholand als Schatzmeister, Dr. Peter Stephan als Vorsitzender des Arbeitskreises der Pensionäre sowie Dr. Rainer Sieg und Alfred Würzinger. Dr. Ulrich Goldschmidt ist als Haupt-geschäftsführer des DFK geschäftsführendes Vorstandsmitglied.

Schließlich erhielt Dr. Ingo Friedrich (CSU), seit 1975 DFK-Mitglied, die Verbandsnadel in Gold. Der ehemalige Vizepräsident des europäischen Parlaments hat die Entwicklung des Berufsverbandes maßgeblich geprägt: „Friedrich hat entscheidenden Anteil daran, dass der DFK heute als Stimme der deutschen und europäischen Führungskräfte wahrgenommen wird“, erklärte von Rothkirch.

 

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