Lüge, Vertrauen und Verbindlichkeit – Welche Ethik vermittelt zwischen Wirtschaft und Gesellschaft? Konferenz Universität Zürich, 5. September 2014

Mit dieser und ähnlichen Fragen wird sich der Kongress beschäftigen, der am 5. September 2014 von der Universität Zürich in Kooperation mit dem Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V. ausgerichtet wird.

Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e. V. (EVW)

Unternehmensvertreter, die ihr Handeln an ethischen Grundsätzen ausrichten wollen, sind einer dauerhaften Diskussion ausgesetzt. Die Gesellschaft misstraut nämlich ihren Motiven und fordert die Einführung zusätzlicher Gesetze, Regeln und Normen. Verändert sich aber durch mehr Gesetze tatsächlich das moralische Bewusstsein der Protagonisten in der Wirtschaft und wird durch mehr Regulierung wirklich mehr Vertrauen geschaffen? Die sich weiter öffnende Schere des Misstrauens zwischen Wirtschaft und Gesellschaft weist wohl eher in die Gegenrichtung.

Aber wer ist überhaupt die ‚Wirtschaft‘ und wer die ‚Gesellschaft‘? Verhält sich ein Individuum moralisch anders je nach sozialem Kontext (Familie, Arbeitsplatz, öffentlicher Auftritt)? Die Diskussion um die „Moral der Wirtschaft“ geht kaum auf den Menschen und seine multiplen Rollen in der Gesellschaft ein. Moralische Kategorien wie Lüge und Vertrauen müssen daher auch aus einer moralpsychologischen Perspektive verstanden werden. Zugleich sollte in der Gesellschaft auch ein Verständnis dafür geschaffen werden, dass Moral nichts mit einem eindimensionalen Lernstoff zu tun hat, den man sich einverleibt, um anschließend moralisch zu werden.

Vielmehr ist Moral kontextabhängig und die Grundunterscheidung zwischen Wächter- und Händlermoral zeigt dies sehr gut. Während die Händlermoral für Tugenden wie Verbindlichkeit, Offenheit, Innovationsfreude und Vertrauen steht, werden die Tugenden einer Wächtermoral, gemäß der interdisziplinären Forscherin Jane Jacobs, stärker mit Gehorsam, Loyalität, Respekt und Skepsis gegenüber Veränderung in Verbindung gebracht. Könnte es daher sein, dass moralische Katastrophen immer dann geschehen, wenn dort Wächtermoral herrscht, wo eigentlich Händlermoral herrschen sollte und dort Händlermoral herrscht, wo eigentlich Wächtermoral herrschen sollte?

Mit diesen offenen Fragen wird sich der Kongress beschäftigen, der am 5. September 2014 von der Universität Zürich in Kooperation mit dem Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V. unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Philipp Aerni, Direktor des Center for Corporate Responsibility and Sustainability, ausgerichtet wird.

Namhafte nationale und internationale Wissenschaftler treten in einen konstruktiven Dialog mit hochrangigen Vertretern der Wirtschaft und werfen ganz aktuelle Fragen auf. Sie wollen mehr Klarheit in Begriffe wie Ethik und Moral bringen und diskutieren, wie eine Ethik definiert werden könnte, die zwischen Wirtschaft und Gesellschaft vermittelt statt zu interferieren. Der Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V. und die Universität in Zürich wollen durch eine kritische Auseinandersetzung mit diesen und anderen Fragen auch dazu beitragen, zu einer Versöhnung von Eigeninteresse und Moral und damit zur Formulierung einer Ethik zu kommen, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.


Mehr Infos hier: http://www.ethikverband.de/konferenz-am-5-6-09-2014-an-der-universitaet-zuerich

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