Münchner Museumstage November 2013

Daniela Thiel

„Liebe Frau Thiel. Wir haben ein Problem!“

So überraschte mich das Vorstandsmitglied der RG Süd, Werner Wolf, Organisator der Münchner Museumstage. „Aufgrund unserer Ausschreibung haben sich für das Lenbachhaus 60 Interessenten angemeldet.“ 60 Interessenten für eine Führung, bei der nur 20 zugelassen sind. Man ahnt schon: Die Begeisterung für Münchens wiedereröffnetes Museum führte zu höchst diplomatischen Verwicklungen, und um dem unerwarteten Ansturm gerecht zu werden, hieß die Lösung des Problems: den üblichen Rahmen um zusätzliche Veranstaltungen erweitern. In der Kürze der Zeit ein nicht ganz einfaches Unterfangen, aber alles der Reihe nach.

Auch dieses Jahr führte die Reise durch die Kunst viele tausend Jahre zurück, bis zum wiederentdeckten und ausgegrabenen Pompeji des frühen 18. Jahrhunderts in der Hypo-Kunsthalle. Dort zeigte sich in wunderbaren Exponaten und anschaulichen Animationen der Reichtum römischen Lebens im 1. Jahrhundert n. Chr. bis zu seiner Vernichtung durch den apokalyptischen Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 n. Chr.

Eine Welt, die unterging und doch im Klassizismus eine Wiederauferstehung in der Kunst fand. Vom Klassizismus geprägt und ihn mit ihrer neuen Begeisterung für die Wandelbarkeit des Lichts überwindend waren auch die berühmten Impressionisten in Frankreich. Manet, Monet und ihre Künstlerfreunde Cezanne und Degas. Ihre Bilder vom Leben und Arbeiten in der Natur bildeten den Höhepunkt des Besuches in der Neuen Pinakothek. Fast konnte man vergessen, nicht in Paris, sondern in der Münchner Maxvorstadt zu stehen.

Die Besuche im Lenbachhaus, seit 1929 Städtische Galerie und 1957 durch die Schenkung der Werke des Blauen Reiters durch Gabriele Münter zu einem führenden Haus der Klassischen Moderne aufgestiegen, verdeutlichten noch einmal die Vielfalt der Kunstströmungen der letzten 150 Jahre. Angefangen mit Johann Georg von Dillis wolkenreichem Himmel über München vor 1841 und Werken des Biedermeiers, über die außerordentlich erfolgreiche Karriere des Hausherrn Franz von Lenbach zur revolutionären Schülergeneration Kandinskys und Franz Marcs bis zu Werken von Joseph Beuys und der zeitgenössischen Moderne reicht das Sammelspektrum des Hauses. Einzigartig, wie man hier Tür an Tür den Bruch von akademischer Salonkunst des 19. zur Abstraktion am Beginn des 20. Jahrhunderts nachvollziehen kann.

Den Abschluss bildete der Besuch der „Traumbilder“-Ausstellung in der Pinakothek der Moderne. Wie sich schnell zeigte, ein oftmals irreführender, weil verheißungsvoller Titel, dessen Umsetzung eher Alptraumbilder bedeutete. Ganz bewusst hatte Theo Wormland die Kunst der Surrealisten gesammelt und damit die in Kunst übersetzte Erkenntnis von der Unfreiheit des Menschen. Die Erschütterung durch  Krieg und Leid war vielen Bildern ablesbar.

Ein Thema, das nicht nur in der aktuellen Beschäftigung mit dem Ersten Weltkrieg eine menschenbewegende Rolle spielt und den Gedanken aufdrängte, dass jede Reise in die Vergangenheit in der Gegenwart mündet.

Die Münchner Museumstage entließen begeisterte und nachdenkliche Besucher. Ein großer Dank gilt ihrer vorbereitenden, diplomatischen Koordination (siehe oben).

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