Exkursion nach Vietnam und Kambodscha – exklusiv für Verbandsmitglieder

Am 21. März traf morgens auf dem Flughafen Hanoi die Reisegruppe (mit Mitgliedern der RG Süd, Südwest, Westfalen, Berlin-Brandenburg) zur Rundreise ein. Herr Tam, unser vietnamesischer Reiseleiter, begrüßte uns und der Geldautomat machte uns sofort zu Dong-Millionären (1 Mio VND = ca. 37 €). So konnte die Reise losgehen.

Stadtrundfahrt, Ausstieg beim Ho-Chi-Minh-Mausoleum mit endlosen Besucherschlangen. Vermeidung des dreistündigen Anstellens durch Vorbeilaufen und weiter durch die Stadt. Manchmal ist weniger eben mehr. Eine erfreuliche erste Begegnung mit der lokalen Küche, das unfallfreie Queren der Straßen durch das Mopedgewimmel – wir lernten schnell. Erst am Abend, das Aufstehen in Deutschland war über 30 Stunden her, wurde für eine Nacht eingecheckt.

Am nächsten Morgen Frühstück, möglichst Nudelsuppe, wie viele andere, die schon um sechs Uhr am Straßenrand saßen. Ein erster offizieller Termin bei der Germany Trade & Invest mit vielen guten Informationen über Land und Leute. Dann vier Stunden Fahrt zur Halong-Bay. Der Verkehr ein Erlebnis: nicht stark, aber hektisch, vorbei an Hunderten kleiner Reisfelder und endlosen Straßendörfern. „Man wohnt an der Hauptstraße“, denn nur dort kann man Geschäfte machen. Im Erdgeschoss der schmalen Reihenhäuser ein Laden, dahinter wohnen die Großeltern, im ersten Stock die Eltern und darüber die Kinder.

Am Folgetag durch die Halong-Bay, dann über Hanoi nach Hue in Zentralvietnam. Ein neuer Reiseleiter, der wie die übrigen vietnamesischen Guides in Deutschland studiert hatte, empfing uns.

Der Besuch der alten Kaiserstadt war trotz der massiven Zerstörungen im Vietnamkrieg sehr lohnend. Eine Fahrt mit dem Drachenboot über den Parfümfluss, dessen Name sich angeblich von duftenden Pflanzen ableitet, was sich uns aber nicht erschloss.

Im Bus ging es über den Wolkenpass, der ehemaligen Grenze zwischen Nord- und Südvietnam, nach Da Nang, dem Landungsort der US-Marines vor bald einem halben Jahrhundert. Einige Verwegene machten in einem Fischerdorf eine Austernprobe.

In Hoi An angekommen sofort zur Rikscha- Fahrt durch die geschäftige Stadt. Manch eine(r) ließ sich einen Seidenanzug anmessen, andere kauften die Stoffe lieber zur Weiterverarbeitung in Bayern. Die Anzüge konnten am nächsten Morgen abgeholt oder ohne Aufpreis in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) angeliefert werden. Man ist auf Touristen gut vorbereitet.

Über Saigon selbst hatten wir so viel gehört... Wir sahen eine moderne, sich vom Norden des Landes total abhebende Stadt. Das Pro-Kopf-Einkommen ist ein Mehrfaches etwa von dem in Hanoi. Es herrscht ein starker Zuzugsdruck. Schon heute leben in Saigon über 8 Mio. Einwohner. Die Erinnerungen der Bilder und Filme des „Amerikanischen Krieges“, wie ihn die Vietnamesen nennen, wurden bei einer Stadtrundfahrt geweckt: Die Architektur des französischen Indochina oder das Hotel Rex. Dort wurde im Krieg die Weltpresse zur täglichen „Märchenstunde“ der Militärs geladen. Der Markt in Hotelnähe war laut und lebendig. In großen Mengen wurde europäische „Markenware“ angeboten, die niemals in Europa war... Die großen Herausforderungen aber waren der Verkehr und das Klima, hohe Temperatur, gemixt mit hoher Luftfeuchtigkeit.

Schweißausbrüche hat uns auch das riesige Mekong-Delta beschert. Von dieser Reiskammer des Landes (Vietnam ist der zweitgrößte Reisexporteur) haben wir nur kleine Teile befahren können. Wir sind per Sampan – ein viersitziges Boot, mit Rudern vorne und hinten – durch den Dschungel geglitten und auf kleinen Pferdefuhrwerken durch die Dörfer gefahren.

Dann ging es mit frischem Kambodscha-Visum, das ganz überraschend kostenlos war, nach Siem Reap. Ebenso verwunderte uns bei der Einreise, als unsere Pässe mit modernsten Terminals auf biometrische Daten geprüft wurden. Auch wenn wir eigentlich gekommen waren, um das Weltkulturerbe Angkor Wat zu sehen, lernten wir sehrviel über das Land. Unser neuer Reiseführer Yim begrüßte uns in wunderbarem Deutsch, das er in Kambodscha gelernt hatte, und brachte uns neben Kultur und Historie auch die Geschichte der letzten Jahre näher; die furchtbare Zeit des Pol-Pot-Regimes mit den Auswirkungen auf Menschen, Bildung und letztlich auf die Wirtschaft. Für uns unvorstellbar: Es gibt keine Schulpflicht, auch weil es keine Lehrer gibt. Die Folgen für die Wirtschaft sind leicht vorzustellen. Da passt ins Bild, dass die Landeswährung, der Riel, keine Rolle spielt. Die Geldautomaten geben als beherrschende Währung nur US-Dollars heraus.

Angkor selbst nötigte uns alles ab: Elf Stunden Angkor-Tempel inklusive des durch die Baumüberwucherungen bekannten Ta Prohm und eines Sonnenuntergangs auf dem Phnom Bakheng. Den Abend genossen wir in Stadt oder Hotel, alle gleichermaßen erschöpft. Kein Wunder bei hoher Luftfeuchtigkeit und über 35 °C. Eine tolle, aber anstrengende Reise ging mit dem Besuch von Angkor Wat zu Ende.

Fazit: 10 Tage, 6 Flüge mit Vietnam Airlines, 9 Übernachtungen in 6 Hotels, 4 Reiseführer, 2 Währungen, fremde Kulturen, fremdes Essen, fremde Sitten, fremde Religionen, keine Unfälle, keine Verluste, keine gravierenden gesundheitlichen Beschwerden. Die Reise hat überrascht, sie war informativ, hervorragend organisiert. Kurz gesagt: Es hat sich gelohnt.

Bernd Hannemann

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