Wer trägt bei einer Bewerbung die Vorstellungskosten?

Ich möchte mich beruflich umorientieren und werde in den kommenden Wochen mehrere Vorstellungsgespräche mit potentiellen Arbeitgebern führen. Ich habe gehört, dass man die Vorstellungskosten (Fahrt- und ggf. Übernachtungskosten) ersetzt verlangen kann. Ist dies zutreffend?

Antwort:

Ob der Arbeitgeber in spe die Vorstellungskosten des Bewerbers zu tragen hat oder nicht, hängt vor allem davon ab, auf wessen Initiative die Bewerbung erfolgt und welche Vereinbarungen dabei getroffen wurden. Allgemein gilt der Grundsatz, dass ein Anspruch auf Ersatz der Vorstellungskosten nicht besteht, wenn der Arbeitnehmer sich auf eigene Veranlassung vorstellt (Initiativbewerbung). Lädt der potentielle Arbeitgeber den Bewerber allerdings zu einem Vorstellungsgespräch ein, muss er auch die Kosten, die für dieses Gespräch entstehen, tragen. Will der künftige Arbeitgeber diese nicht übernehmen, muss er in der Einladung ausdrücklich darauf hinweisen, dass er die Reisekosten nicht bezahlt. Eine bloß mündliche Aussage könnte im Streitfall nicht ausreichend sein.

Der Höhe nach sind die Kosten zu ersetzen, die der Bewerber nach den Umständen für erforderlich halten durfte. Dies sind in der Regel die Kosten für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder für die Benutzung eines Kraftfahrzeugs nach den geltenden steuerrechtlichen Bestimmungen. Gleiches gilt für Verpflegungskosten. Flugkosten sind grundsätzlich erstattungsfähig, wenn sie im Einzelfall niedriger sind als die Kosten, die für die Benutzung eines Autos oder öffentlichen Verkehrsmittels entstanden sein würden. Übernachtungskosten nur dann, wenn sie wegen der Weite der Anreise erforderlich waren.

Auch für den Fall, dass die Personalsuche nicht von dem Arbeitgeber selbst, sondern von einer Personal- oder Unternehmensberatung durchgeführt wird, hat der Bewerber einen Anspruch auf Erstattung der Reisekosten.

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