Zukünftige Herausforderungen für die Energieversorgung Europas - Standpunkte der FECER

FECER, der Europäische Verband der Führungskräfte aus dem Energie- und zugehörigen Forschungssektor, der mehr als 20.000 Manager aus ganz Europa repräsentiert, stellt zwei wesentliche Herausforderungen in den Vordergrund, welche die zukünftigen Entwicklungen in der Energiepolitik dominieren werden: die zunehmende Kenntnis der negativen Auswirkungen der Nutzung von Energie auf den Klimawandel, und die Besorgnis um eine ausreichend sichere Energieversorgung.

Diese Situation erfordert ein Maßnahmenpaket, wie es im heute veröffentlichten Positionspapier der FECER aufgezeigt worden ist. Wie Dr. Matthias Hessling, Präsident der FECER, erläutert, „umfasst ein sinnvoller Weg zur Zukunftsbewältigung:

  • eine erheblich breitere geopolitische Verteilung der Energiebezugsquellen,
  • eine deutlich ausgeweitete Nutzung regenerativer Energiequellen, allerdings fokussiert auf die vorteilhaftesten Standorte und Technologien,
  • ein Bündel von Instrumenten und Maßnahmen, die zu umfangreichen Verbesserungen der Energie-Effizienz und zu stärkeren Energie-Einsparungen führen,
  • den weiteren Betrieb existierender Kernkraftwerke, die sich durch einen hohen Sicherheitsstandard auszeichnen.“

Auch die Kohle wird in den kommenden Jahrzehnten noch eine wesentliche Rolle spielen. Die Entwicklung von Technologie zur Abscheidung und Einlagerung von CO2 ist nicht science fiction, sondern eine unbedingte Notwendigkeit. Bereits heute ist Europa bei der sauberen Nutzung von Kohle führend in der Welt. „Wir haben jetzt die Chance, unsere führende Rolle bei der umweltverträglichen Nutzung fossiler und regenerativer Energien sowie bei der Entwicklung von Technologien mit verbesserter Energie-Effizienz auszubauen. Dies ist nicht nur von Bedeutung für das Problem des Klimawandels, sondern es schafft auch neue, zukunftsorientierte Jobs“ wie Dr. Hessling ausführt.

Aber ist es ausreichend, wenn nur Europa auf den Klimawandel reagiert? Dr. Hessling: „Natürlich nicht, aber Europa wird davon profitieren, ganz vorne zu sein, und Europa wird positive Entwicklungen in anderen Regionen der Welt provozieren. Allerdings sollte die EU ihren ganzen Einfluss geltend machen, um auch andere große Energieverbraucher zu klaren Vereinbarungen zu bewegen, die Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren. Dies muss Länder wie die USA, China oder Indien einschließen.“

Um eine solche Rolle wahrnehmen zu können, hält es die FECER für sinnvoll, wenn die EU „mit einer Stimme spricht“, was bedeutet, dass der Europäischen Kommission erweiterte Zuständigkeiten für energiepolitische Angelegenheiten übertragen werden sollten. Auch der Gesichtspunkt gleicher Wettbewerbsbedingungen und die Notwendigkeit hoher Umweltstandards in ganz Europa lassen eine solche Zuständigkeitsverlagerung sinnvoll erscheinen.

Allerdings „erfordert ein solcher Prozess höchste Sensibilität, schon vor dem Hintergrund sehr unterschiedlicher energiepolitischer Vorstellungen und Versorgungsstrukturen in den einzelnen Ländern“, betont Dr. Hessling. Und er nennt ein Beispiel, wo ein aktueller Vorschlag der Europäischen Kommission erheblich zu weit geht: „Eine Zerschlagung der Energiekonzerne (im Sinne einer Trennung von Eigentumsrechten bei Leitungsnetzen und Energieerzeugung) ohne vorherige Bewertung der durchgeführten gesellschaftsrechtlichen Trennung (also Ausgliederung der Netzaktivitäten in rechtlich eigenständige Gesellschaften) macht keinen Sinn. Eine solche Bewertung steht noch aus.“

Ansprechpartner: Dr. Matthias Hessling Präsident der FECER Papendieckstr. 8 D-28329 Bremen Tel.: 0 15 77 – 2 54 61 14 matthias.hessling@ewetel.net

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