die Führungskräfte-Presseerklärung - Gehaltskürzung per Dekret?

Zahlreiche Unternehmen verordnen Gehaltsreduzierungen, die arbeitsvertraglich nicht haltbar sind.

Nicht nur namhafte Autobauer verlangen zehntausenden Mitarbeitern in Deutschland wegen der dramatischen Absatzkrise derzeit herbe Lohneinbußen ab. Auch in anderen Branchen werden per einfachem Brief verordnete Gehaltskürzungen derzeit Mode, beobachtet der Berufsverband "die Führungskräfte" (DFK).

Hiermit sind nicht die Kürzungen gemeint aufgrund von Kurzarbeit oder durch eine schlechte Zielerreichung, die sich in den variablen Vergütungsbestandteilen niederschlagen. Gemeint sind von Unternehmen verordnete Gehaltsreduzierungen, die arbeitsvertraglich nicht haltbar sind. "In der Krise baut man auf die Solidarität der Mitarbeiter, jedoch bittet man nicht um ihren Beitrag zur Gesundung des Unternehmens, sondern setzt ihn voraus. Man kürzt immer öfter per Dekret", so Verbandsgeschäftsführer Sebastian Müller. Dies treffe auch gerade die außertariflichen und Leitenden Angestellten, da man sich an Tarifverträge häufig nicht herantraut. "Das Grundgehalt wird einfach um bestimmte Prozentsätze gekürzt oder die Variable ohne Beachtung der tatsächlichen Zielerfüllung gänzlich nicht ausgezahlt."

Dass hierbei der Arbeitsvertrag missachtet wird, steht außer Frage. Hinzu kommt, dass Gehaltserhöhungen ebenso nicht erfolgen. Viele Mitarbeiter übersehen dabei, dass sowohl die Kürzung als auch das "Einfrieren" des Grundgehalts Auswirkung auf die spätere Betriebsrente haben kann, stellt der Führungskräfteverband fest. Diese orientiere sich nämlich in der Regel am Festgehalt, so dass es zu einer schleichenden Entwertung der Betriebsrente kommt, wenn das Gehalt nicht mehr angepasst wird.

Eines ist klar: Mit dem Bündel von Maßnahmen sollen Milliarden Euro Personalkosten gespart werden. Verständnis für Kürzungen findet sich auch unter den Betroffenen, allerdings ist die Art und Weise der Umsetzung nicht zu akzeptieren. DFK-Geschäftsführer Müller dazu: "In Zeiten der Krise kann man gerade auf die Solidarität der Führungskräfte bauen. Schließlich tragen auch sie unternehmerische Verantwortung. Man sollte ihnen aber die Gelegenheit geben, diese tatsächlich zeigen zu können. Freiwillige Regelungen hätten sicherlich einigen Anklang gefunden und zu vergleichbaren Ergebnissen führen können."

Wie viele Arbeitnehmer sich gegen solche Gehaltskürzungen wehren werden, ist derzeit noch unklar. Immerhin sind als Gegenleistung für die Maßnahmen zum Teil Beschäftigungssicherungen zugesagt worden. Der sichere Arbeitsplatz geht derzeit vor, so die Einschätzung des DFK. So werden sich die Auseinandersetzungen wohl im Rahmen halten - zumindest solange die Beschäftigung gesichert ist.

DFK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ulrich Goldschmidt macht aber noch auf einen weiteren langfristigen Effekt dieser einseitigen Maßnahmen aufmerksam: "Unternehmen, die glauben, sie könnten bei Bedarf Gehaltskürzungen verordnen, werden erleben, dass qualifizierte Fach- und Führungskräfte sie nicht mehr als attraktive Arbeitgeber wahrnehmen." Gerade in Krisenzeiten zeige sich, welcher Vertragspartner verlässlich ist. Arbeitgeber, die heute unter Missachtung ihrer Fürsorgepflicht und des Arbeitsrechts ihren Mitarbeitern einseitig Einbußen verordnen, werden bei einem Anziehen der Konjunktur die qualifizierten Mitarbeiter, die sie dann benötigen, nicht mehr für sich gewinnen. "Loyalität im Arbeitsverhältnis ist keine Einbahnstraße, sondern muss von beiden Seiten - von Arbeitgeber und Mitarbeiter - gezeigt werden."

Der Berufsverband "die Führungskräfte" vertritt und fördert die beruflichen Interessen seiner rund 20.000 Mitglieder in allen beruflichen und versorgungsrechtlichen Angelegenheiten, insbesondere bei arbeits-, steuer-, straf- und sozialrechtlichen Fragen sowie im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Über seine Regional- und Fachgruppen bietet er ein Netzwerk für Führungskräfte in ganz Deutschland.

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