Postverträge: Die Volksseele kocht – aber sie heuchelt auch

DFK-Vorstand Dr. Ulrich Goldschmidt

Essen, 16.05.2018 -  Die Empörung war groß, als in diesen Tagen bekannt wurde, dass die Deutsche Post befristete Arbeitsverträge bevorzugt bei solchen Mitarbeitern in unbefristete Verträge umwandelt, die in den letzten zwei Jahren weniger als 20 Krankheitstage hatten. Viel Kritik aus Politik und von Gewerkschaften musste die Post darauf hin einstecken. Von einem „moralisch höchst verwerflichen Verhalten“ war gar die Rede. Der Berufsverband DFK – DIE FÜHRUNGSKRÄFTE, der rund 25.000 Fach- und Führungskräfte in Deutschland vertritt, rät zu einer sachlicheren Diskussion und lenkt den Blick auf die wesentlichen Fragen: Werden Personalentscheidungen diskriminierungsfrei getroffen und funktioniert das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM)?

„Natürlich ist es leicht, mit einer solchen Meldung die Volksseele zum Kochen zu bringen“, sagt der DFK-Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Goldschmidt. „Aber die Volksseele heuchelt hier auch. Niemand möchte, dass Postmitarbeiter ihre Jobs verlieren aber wenn das übers Internet bestellte Päckchen nicht pünktlich ausgeliefert wird, weil der Zusteller erkrankt ist, ist die Empörung mindestens genauso groß.“ Goldschmidt weist darauf hin, dass die Entscheidung über die Umwandlung eines befristeten in einen unbefristeten Arbeitsvertrag rechtlich wie der Abschluss eines Arbeitsvertrages bei einer Neueinstellung zu behandeln ist. Jeder Arbeitgeber darf zulässigerweise dabei die Überlegung anstellen, ob er die anstehenden Arbeitsaufgaben mit diesem Mitarbeiter wird erledigen können. „Das ist arbeitsrechtlich nicht zu beanstanden, solange nicht gegen gesetzliche Diskriminierungsverbote verstoßen wird“, so Goldschmidt weiter. Ein Anspruch auf Entfristung bestehe dagegen nicht.

Es wäre falsch, dies in die Ecke eines moralisch anrüchigen Verhaltens seitens der Post zu stellen, mahnt der DFK. Für Ulrich Goldschmidt hat das Ganze aber auch etwas Positives: „Dieser Vorgang ist geeignet, den Blick auf die Erfordernisse einer vorausschauenden, sensiblen und fürsorglichen Personalpolitik zu lenken. Sollte die Post tatsächlich ein Problem mit hohen krankheitsbedingten Ausfallzeiten haben, stellt sich die Frage, ob das Betriebliche Gesundheitsmanagement im Hause funktioniert oder ob bestimmte Arbeiten insgesamt zu belastend sind.“ Dieses sogenannte BGM hat heute großen Einfluss auf das Arbeitgeberimage und sollte von Unternehmen sehr ernst genommen werden. Der Deutschen Post rät Goldschmidt: „Jetzt kann das Unternehmen die Gelegenheit ergreifen und öffentlich zeigen, was man intern unternimmt, um Mitarbeiter vor Überforderung zu schützen, welche Gesundheitsangebote man Mitarbeitern unterbreitet und wie das Betriebliche Gesundheitsmanagement insgesamt aufgebaut ist und ob es funktioniert. Zur Glaubwürdigkeit gehört es dann auch, die Krankheitstage in den verschiedenen Konzernbereichen und Aufgabenfeldern ungeschönt zu veröffentlichen und auch aufzuzeigen, ob und wie das BGM sich auswirkt.“

 

 

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Bildquelle: © DIE FÜHRUNGSKRÄFTE - DFK

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